Chance verpaßt Mai 16, 2008, 15:49
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Schade, ich habe Yassin Musharbashs Artikel über bin Ladens neues Stücklein zu spät entdeckt. Sonst hätte ich hier eine Wette eingehen können, auf welcher Seite des Forums der erste User anmerkt, daß bin Ladens historische Analyse korrekt ist. Ich hätte die Wette auf jeden Fall gewonnen: auf Seite 1 nämlich.
Freitagsbilder Mai 16, 2008, 13:02
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Leider bin ich mit der Kamera nicht sehr geschickt, darum habe ich Davids Angebot freudig angenommen, seine Bilder freitags hier reinzustellen. Er kann nämlich photographieren, und seine Bilder zeigen schöne Ecken Israels. Er schreibt auch immer einen kurzen Text dazu, und ich hoffe, meine Leser freuen sich, wenn sie auch mal was vom Land sehen sehen.
Also, der erste Beitrag von David:
Zichron Yaacov Shabbat
Binyamin Pool: Der alte Wasserturm in Zichron Ya’acov, einer
Kleinstadt in den südlichen Hügeln des Carmel. Gebaut 1891 war dieser
Wasserturm der erste seiner Art in der Region und galt als sehr
fortschrittlich, da zuvor Wasser von den Brunnen in Fässern in den
kleinen Ort transportiert werden musste, dessen rund 100 Bewohner 1882
aus Rumänien einwanderten. Der Wasserspeicher ist heute nicht mehr in
Betrieb, aber ein Anziehungspunkt für Touristen, da er genau in der
Rehov Hameyasdim liegt, die heute eine Fussgängerzone ist. Der Name
„Binyamin Pool” (בריכת בנימין) ist eine Widmung an Baron Edmond de
Rothschild, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Ort
investierte, Land kaufte und die ersten gemauerten Gebäude errichten
liess. (Bild: David Wolski Levi, http://rand10.net).
An dieser Stelle gibt es ab jetzt jeden Freitag ein Photo aus Israel
mit einer kleinen Story, um noch Blicke auf andere Dinge ausser
Nahost-Konflikt und weltbewegender Politik in diesem kleinen,
facettenreichen Land zu werfen.
Unfähig Mai 16, 2008, 11:49
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Israel kann vieles, aber nicht alles. Leider ist Israel gänzlich außerstande, sich der Außenwelt darzustellen oder seine Aktionen zu erklären. Man könnte verzweifeln. Im Krieg vor zwei Jahren haben mich die Pressekonferenzen wahnsinnig gemacht, wo erstmal ein ruppiger, struppiger Kerl in Uniform lang und breit auf Hebräisch erklärt und redet. Wenn dann noch ein ausländischer Journalist wach und alert ist, wird er entweder ungeduldig abgefertigt oder mit einem solchen Wust an Fakten plattgemacht, daß er erstmal wie Aschenputtel sortieren muß. Das alles in einem Englisch mit herb polternder Aussprache, geringem Wortschatzu und sprachlicher Unsicherheit, die sich keine Flexibilität erlaubt. Ein wahrhaft qualvoller Anblick.
Wie sich das für die Journalisten darstellt, kann man hier nachlesen (Dank an Hendrik für den Link).
Um gezielte Kontaktpflege und persönliche Beziehungen zu den Korrespondenten bemüht sich - von den israelischen Botschaften im Ausland abgesehen - kaum ein Sprecher. Selbst bei unverfänglichen Themen wie Tourismus oder IT-Boom, die ein Land jenseits des Schlachtfelds zeigen könnten, springen die PR-Leute nicht an. Positive Berichterstattung? Wer braucht schon so etwas?
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert - nach diesem Motto arbeitet die bei Korrespondenten besonders unbeliebte Pressestelle der Regierung (GPO). Als sich ein langjähriger deutscher Korrespondent gegen die restriktive Visa- und Presseausweisvergabe auflehnte, nannte ihn der GPO-Direktor Danny Seaman in einem Zeitungsinterview “ein Stück Scheiße”. Wer solche Öffentlichkeitsarbeiter hat, braucht keine Feinde mehr.
Doch das alles könnte sich rächen. Etwa im Konflikt um das iranische Nuklearprogramm, das Israel ganz besonders bedroht, wird es auf jede Nuance der Berichterstattung ankommen - auch jener in Europa. Lamentiert wird in Jerusalem gern darüber, dass die Nachbarn jenseits des Mittelmeers den Iran verharmlosen und die Bedrohungslage nicht erkennen. Kein Wunder, wenn sich der Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert bei seinem letzten Besuch in Deutschland lieber auf der Berlinale vergnügt, als den Nahostredakteuren israelische Positionen zu erläutern.
Oh weh, oh weh. Ich wünschte, dieser Artikel würde auf Hebräisch übersetzt und erschiene in allen Tageszeitungen.
Eine ähnliche nonchalante Mißachtung der potentiell Israel geneigten Außenwelt sehe ich auch in der rücksichtslosen Verschandelung des Landes durch immer neue Bausünden - meine Mutter ist jedesmal sprachlos entsetzt, wenn sie nach Israel kommt und sieht, wie das Land langsam zu einer Betonwüste wird. Ist die Anziehungskraft der Heiligen Stätten und archäologischen Ausgrabungen so groß, daß man um sie herum ungeniert ein abscheuliches Einkaufszentrum nach dem anderen hochziehen kann? Irgendwann kommt wirklich niemand mehr. Die Strände sind verschmutzt oder gesperrt, und nach wie vor hinterlassen Israelis nach dem Picknick oder dem Grillen eine Müllspur. Da fühlt sich kein Tourist wohl, aber daran denken die Leute wohl nicht. Ich kann es mir nicht erklären.
Ja, in Blogs versuchen wir dann, ein bißchen Hintergrund zu geben oder allzu fraglose Annahmen in Frage zu stellen - aber Blogs erreichen doch nur ein kleines Publikum (was mir persönlich ja eher zusagt, ich höre ja immer auf zu bloggen, wenn die Zugriffszahlen über eine bestimmte Marke steigen
). Und Bloggen wissen nicht immer alles, Blogger machen auch noch was anderes als nur bloggen, und vieles entgeht uns.
Ich jedenfalls kriege immer die Krätze, wenn die Armee nach langen Jahren endlich Material freigibt, das neues Licht auf einen Vorfall vor fünf Jahren wirft - während sich im allgemeinen Bewußtsein längst festgesetzt hat, daß der Junge al-Dura Opfer israelischer Kugeln geworden ist, oder worum auch immer es sich handelt. ![]()
Nachtrag zu Ashkelon Mai 16, 2008, 11:01
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Hier ist ein Bild vom Schuh des kleinen Mädchens, das verletzt wurde. Nach israelischer Einteilung mittelschwer, Ruth erklärt diese reichlich spartanische Begrifflichkeit.
Ihre Mutter ist gestern aus der Bewußtlosigkeit erwacht, die Kleine heute.
(Der Vater bittet um Gebete für beide, Avital bat Pnina und Tair bat Avital. Ich dachte, ich geb das mal weiter, vielleicht gibt es ja noch jüdische Leser, die die Namen noch nicht kennen.)
Geburtstagsbrief Mai 16, 2008, 10:50
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von Salim Mansur, gefunden bei Israellycool.
The 60th anniversary of Israel’s birth is a milestone as was every other such anniversary going back to that defining moment for Jews and non-Jews alike when David Ben-Gurion proclaimed independence of the Jewish state in Tel Aviv on May 14, 1948.
After nearly two millenniums of wandering in strange lands — following destruction of the Jewish temple in Jerusalem by the Romans and forced exile from the land of their prophets — the birth of Israel has offered Jews a secure home where they may prosper without any fear or apology.
Israel’s birth was assisted by Britain, joined by France, which carved Arab states in lands that were provinces of the Ottoman Empire. If Israel had been born 10 years earlier then a great many Jews who perished in Hitler’s death camps likely would have survived and Britain’s eventual withdrawal from the region probably would have been less acrimonious.
For Ben-Gurion’s generation Israel’s birth was a small promise made even smaller by the UN partitioning British-mandated Palestine, and then arriving so terribly late, even as smoke from the ruins of war-devastated Europe hid the full disclosure of the Jewish devastation in the Holocaust.
There is no parallel in modern history to the story of Israel defying the rancour of old and new enemies of Jews.
….
The present world population is over six and a half billion people, and Jews are an insignificant fraction of this number, estimated somewhere around 14 million, or a mere 0.2% of the total.
Yet Jewish contributions in the making of the modern world tower above that of any other people in relative terms and the immense odds of survival as a people given the level of hostility directed at them.
From imagining the fundamentals of monotheism to conceiving the fundamentals of space-time relativity of modern physics, Jews have been an immensely creative people through nearly four millenniums of human history.
Their achievements have earned them admiration, envy and implacable enmity of non-Jews.
….
Of the ancient peoples from the age of Moses only the Egyptians, the Hindus and the Chinese survive, but their culturally dynamic moment as civilizations lie in the past. And of these three people from ancient times, Egyptians became Arabized as most of them converted to Islam and disowned their pre-Islamic culture.
Israel is a tiny sliver of land in a vast tempest-ridden sea of the Arab-Muslim world, and yet it is here the ancient world’s most enduring story is made fresh again by Jews to live God’s covenant with Abraham as told in their sacred literature.
Jewish survival as a people maybe providential, but turning a desert into one of the rich economies of the world few imagined six decades ago is a minor proof of how much more could be achieved if those fighting Jews joined with them instead by turning their swords into plowshares.
Happy anniversary, Israel.
Ich kann gar nicht beschreiben, was ich empfinde, wenn ich einen so freundlichen Gruß lese, von einem Araber geschrieben, der die Geschichte und die Tatsachen sachlich und ohne Verzerrungen ansieht und anerkennt. Oh ja, es ist möglich, den Anderen so anzusehen, und ihm Gutes zu wünschen. Das rührt mich ehrlich gesagt mehr als die guten Wünsche von Freunden (wobei aus Deutschland ja auch wieder passiv-aggressive Glückwünsche kamen, ich habe nur mit Schaudern die Kommentare zu Ilan Mors Artikel in der Süddeutschen gelesen und wußte wieder, wie vermutlich Mehrheit in Deutschland drauf ist).
In meinem persönlichen Universum wiegt so eine Stimme viele, viele Hetzartikel und -sendungen auf. Weil viel mehr Mut dazu gehört, so wie Salim Mansur, wenn man Salim Mansur heißt, als zum Mitschwimmen im Strom der Naqba-Propaganda. (Ich sehe mit Grausen, wie die Naqba-Feiern unseren Yom HaZikraon Zug um Zug imitieren, bis hin zur Sirene. Ei ei ei, legt Euch mal eine Identität zu, die mit Israel nichts zu tun hat! möchte ich ihnen zurufen - in eurem eigenen Interesse, nicht unserem!)
Und ho ho, ich sehe gerade, auch Osama bin Laden schließt sich der Gratulationscour an. Das ist ja reizend von ihm. Vielleicht bringt er uns auch ein Geschenk? Ach, das ist eigentlich nicht nötig!
Ehrlich, Mai 15, 2008, 13:02
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ich hocke normalerweise nicht 24/7 vor der idiot box, aber ich arbeite gerade am Laptop und verfolge die Berichterstattung über den Bush-Besuch. Er war heute früh auf Massada, er und Olmert sehen aus wie leicht angealterte Schuljungen mit ihren offenen Hemden und Sonnenhüten. Ich kann mich nicht losreißen, muß sowieso gleich weg…
Massada ist so wunderschön, die wilde Wüstenlandschaft, die Luft ist klar, das Licht blendend hell, und die beiden Politiker stechen richtig heraus. Sie sind nicht ganz in ihrem Element, lächeln etwas verlegen in die Kamera. Beide erfreuen sich ja nicht gerade allgemeiner und ungebrochener Beliebtheit, um es höflich auszudrücken. Sie sind vermutlich froh, wenn ihnen niemand peinliche oder schwierige Fragen stellt. Olmert vor allen Dingen sollte sich am Sonnenlicht freuen, solange er es noch nicht durch Gitterstäbe sieht - wenn die Gerüchte stimmen
Jetzt läuft Bush gerade in der Knesset rum, jemand zeigt ihm Chagall, und wird wohl gleich eine Rede halten. Der Journalist meinte, Bush wird Massada erwähnen. “Massada wird nicht noch einmal fallen”. Damit würde er direkt ins Herz des israelischen Selbstverständnisses zielen. Mal gucken.
Quartas Kommentar, die gerade dazukommt: “haben wir auf Bush Eindruck gemacht, Mama?” Genau darum geht es, den guten Eindruck und die gegenseitige Schmeichelei. Der Journalist meint, Olmerts Rede gestern war “davik”, klebrig, allzu persönlich und einschmeichelnd.
Heute sollen die Reden angeblich sachlicher werden. Oha, Bibi steigt auch in die Bütt. Selten sieht man unsere Knesset so voll. normalerweise pöbeln oder giften sich da nur ein paar verlorene Figürchen an… während die Cafeteria sehr beliebt sein soll.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Palästinenser um Bush noch einen Pfifferling geben werden, nach dieser eindeutigen Sympathiekundgebung für Israel. Das kann sich kein amerikanischer Präsident leisten, der hier noch mal aufschlagen und verhandeln will. Und wenn wir ehrlich sind: unter Bush haben wir nichts erreicht. Es hat nicht nur an Bush gelegen. Olmert, Abu Mazen und Bush schwächeln daheim und können darum international keine großen Sprünge wagen.
Ich wünsche allen Beteiligten eine Regierung, die stabil genug ist, um selbstbewußt, geduldig und großzügig in Verhandlungen einzusteigen, und zu Versprechungen auch zu stehen. (Wobei ich nicht vergesse, daß jede Abmachung mit den Palästinensern wertlos ist, solange Iran noch gegen uns bewaffnet, hetzt und aufrüstet. Auch das wird wohl gleich in der Knesset zur Sprache kommen.)
Ich konnte nicht widerstehen…
Abbitte Mai 14, 2008, 22:29
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Nachdem die ZEIT uns letzthin geradezu durch ein Fantasialand intellektuell verhüllter oder offen geäußerter Israel-Feindlichkeit geschickt hat (unbestrittener “Höhe”punkt der unsägliche Ilan Pappe, naiv Geffen, klug und nicht feindselig Sarid, ermüdend Zuckerman… ), dachte ich heute bei der Lektüre von Judith Butlers unappetitlich selbstgerechtem Stücklein schon, was ich nur ganz selten denke: “verdammte arrogante Intellektuelle, verdammter akademischer Elfenbeinturm, verdammter kritisch verblümter jüdischer Selbsthaß!!!” und schloß mit meinem Milieu ab, voll Ingrimm.
Doch ein verdammt arroganter Intellektueller hat sich auf die Seiten der ZEIT verirrt wie ein Stachelschwein ins Fantasialand. Dan Shueftan sagt´s, wie´s ist. Es ist nicht schön, es ist nicht angenehm, es ist nicht hoffnungsfroh, es ist nicht bunt und postmodern und ein echter Israel-Kritiker wird es nur mit Schaudern lesen. Ich denke, schon bald wird sich die Leserbriefseite mit dem bekannten Geifer füllen, vor allem, da ja Pappe, Butler und andere schöne neue Vokabeln im Kampf gegen das expansionistische Apartheidsregime namens Israel geliefert haben.
Dan Shueftan weiß, wovon er spricht. Er unterrichtet arabische Studenten, die wild mit ihm diskutieren und aus unerfindlichen Gründen sehr gern in seine Kurse kommen. (Was sehr für sie spricht! und auch für Dan). Er kanzelt deutsche Journalisten ab, bis sie ihm gern eine runterhauen würden (verständlich, ich laß mich auch ungern so unverhohlen belehren). Sein direkter Vorgesetzter ist Araber (was für die Uni spricht). Aber seine Darstellung Israels entspricht meiner Erfahrung.
Menschen, die mehr oder weniger knapp Verfolgung und Tod entronnen sind und sich nicht etwa einen starken Führer unterworfen haben, sondern sich vertrackt labile, demokratische Regierungen gewählt haben. Menschen, die sich langsam damit abfinden, daß trotz aller Besessenheit mit Frieden dieser eine Schimäre ist, die außer uns niemand in der Region wünscht oder anstrebt. (Jedes kleine Kind antwortet hier auf die Frage, was es sich am meisten wünscht, SHALOM). Israelis sind keine blutrünstigen, “systematisch tötenden” Menschen.
Ich bin nicht so hart wie Dan Shueftan (Shiftan), ich finde die Aussicht, noch generationenlang wie in einer belagerten Zitadelle auszuharren, ohne offene Grenzen, ohne Einkaufen im Nachbarland, ohne Autos mit fremden Kennzeichen auf unseren Straßen… einfach nur beklemmend und traurig. Aber es kann gut sein, daß er Recht hat, und daß der Tagesordnungspunkt “Vernichtung Israels” in absehbarer Zeit nicht von der arabischen Welt abgehakt wird. Im Gegenteil, es könnte noch schlimmer kommen, melach maim und gute Gesundheit für Mubarak!
Wenn Ihr mich fragt, in welchem Text ich Israel wiedererkenne, das Land, in dem ich nun seit 20 Jahren lebe, bei Ilan Pappe oder Judith Butler oder Yossi Sarid oder Dan Shiftan, würde ich sagen: eindeutig bei letzteren. Allen beiden. Israelis sagen viel eher achselzuckend “ein breira”, wir haben keine Wahl, als “denen zeigen wirs”. (Übrigens war die Frau, die Butler interviewt hat, mit recht guten Fragen gerüstet.)
Also, ich leiste der ZEIT Abbitte. Dan sticht Ilan.
Na endlich Mai 14, 2008, 21:14
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Das hätten wir viel öfter machen sollen: eine Beschwerde bei der UNO über den Beschuß des Einkaufszentrums in Ashkelon. Eigentlich hätten wir jeden anderen Angriff ebenso beantworten sollen - schließlich handelt es sich dabei jedesmal und ausnahmslos um ungezielte Angriffe auf rein zivile Ziele. Aber besser spät als nie. Ich sage ja, wir haben nicht genug Lärm gemacht, die Raketen fallen seit Jahr und Tag, ohne daß jemand davon Notiz nimmt (die Leser meines Blogs natürlich ausgenommen).
Natürlich entbindet das die Regierung nicht von der Verantwortung für das Wohl ihrer Bürger. Aber ich gönne der UNO die Peinlichkeit, daß sie mal jemand anders verurteilen müssen. (Obwohl ich mich keiner Illusion hingebe, da wird natürlich keine Verurteilung der Hamas draus.) (Ich würde mich freuen, wenn ich Unrecht hätte, aber es reicht ein Blick auf die UNO-Mitgliederstaaten, um zu begreifen, daß WIR am Ende die Verurteilung kassieren werden.)
Empfang für Bush Mai 14, 2008, 17:16
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Eine Minute vor sechs - ich schalte den Fernseher ein, um mich an Shimon Peres´ Party zu ergötzen. Das kollektiv durch Katzav in seinem Stolz verwundete israelische Ego freut sich ja am Anblick eines allseits respektierten und beliebten Präsidenten.
Bush und Olmert saßen wohl gerade zusammen und redeten über die Hamas, wollten sich zum nächsten Termin aufmachen, da fiel in Ashkelon (einer großen Stadt im Süden, wo zB der Strom für Gaza erzeugt wird) eine Grad-Rakete auf ein Einkaufszentrum. In die oberste Etage, wo Arztpraxen liegen.
Keiner weiß genau, was dort vorgeht, es ist wohl ein Tei der oberen Etage eingestürzt. Ein Augenzeuge sah ein schwerverletztes kleines Mädchen und ihre Mutter. Zwei kleine Kinder sind leicht verletzt. Gott sei Dank, keine Todesopfer, bli ayn ha rah. Viele Leichtverletzte und Menschen unter Schock.
Hamas hat versprochen, Bush einen lauten Empfang zu bereiten. Sie haben ihr Wort gehalten. Die Rakete wurde übrigens von den Ruinen der ehemaligen Siedlung Dugit abgeschossen - einer Siedlung, die ich mal erwähnt habe, weil es dort eine Gruppe Fischer gab, Juden und Araber, die sich über alle Grenzen hinweg gut verstanden, weil sie alle verrückt waren nach dem Meer. Die haben sich damals traurig voneinander verabschiedet, und ich bin sicher, hätten diese Fischer Dugit übernommen, wäre heute keine Rakete von dort geflogen. (Die Doku kann man bei Youtube angucken.)
Wir alle haben die Fischer im Stich gelassen, und die Menschen im Süden auch.
Später: die ersten Bilder sind schrecklich. Sowas nennt man Krieg. Wer greift so gezielt Zivilisten an? Was sind das für Menschen, die eine Kinderarztpraxis beschießen? Ich bin fassungslos.
Noch später: Glück im Unglück gehabt. Es hätte viel schlimmer ausgehen können, meint der Verantwortliche vom Roten Davidstern, der bei der Erstversorgung dabei war. Die Rakete schlug in einer Klinik für Mutter und Kind ein. Shomer Israel war wachsam.
Y. meinte übrigens, als er nach Hause kam und die Bilder im Fernsehen sah, daß das ein ganz schön großes Loch ist für eine Grad. Ich wäre nicht überrascht, meint er, wenn sich herausstellt, daß das ein kräftigeres Modell war. Die Jungens von der Hamas sind kreativ und fleißig wohl nur, wenn es ums Feilen an ihrem Waffenarsenal geht.
Frage an die Leser Mai 14, 2008, 14:14
Posted by Lila in Land und Leute.52 comments
Interessiert mich einfach mal. Ich wüßte gern, was würde jeder von Euch an Israels Stelle mit der Hamas machen, mit dem Gazastreifen? Verhandeln, angreifen, blockieren, den Raketenbeschuß ertragen? Zu welchen diplomatischen, militärischen, wirtschaftlichen und anderen Mitteln würdet Ihr greifen?
Ich fühle mich nur ungern so ratlos. Also, legt los. Bitte. Ruth, Du hast diese Frage inspiriert, Du mußt unbedingt antworten ![]()
Schade Mai 14, 2008, 10:40
Posted by Lila in Land und Leute.add a comment
Das sieht man ungern: Geschäftsleute, die ihren Laden zumachen müssen, weil niemand mehr in der Stadt einkauft, sondern sich alles in Einkaufszentren verlagert.
Ich habe mein Kunstpädagogik-Studium in Tivon absolviert, einem hübschen mittelgroßen Städtchen zwischen dem Kibbuz und Haifa. Der Stadtkern ist überschaubar und voll mit Studenten, kleinen Geschäften und Cafes. Meine Freundinnen und ich waren Stammkundinnen im größten und bestsortierten Laden für Kunstbedarf der ganzen Gegend. Wir haben dort alles gekauft, was wir brauchten. Das Besitzer-Ehepaar kannte uns alle, beide waren immer sehr nett, sie mit schwerem amerikanischem Akzent. Sie wich immer gern ins Englische aus, was ich immer gern hatte. Beide kannten sich richtig gut aus, sie hatten immer einen Tip und konnten für jede Technik, jedes Material jede Frage beantworten.
Der Laden zog ein paarmal um. In den letzten Jahren war ich seltener in Tivon, seit ich an der PH weder studiere noch unterrichte. Wir haben zwar Familie da, aber ich habe Material für Kunst und Handarbeiten oft in Haifa gekauft. Im Winter waren wir mit den Mädchen noch mal im Laden in Tivon, da haben unsere Töchter voll zugeschlagen, weil der Schmuckfimmel ausgebrochen war. (Wochenlang lagen überall kleine Perlchen in den Ecken rum - und die Mädchen haben genügend Schmuck hergestellt, um einen kleinen Laden aufzumachen, was sie auch fest vorhaben! Tertia hat unglaublich geschickte Hände.) Die Tochter der Ladenbesitzer, vielleicht 17 oder 18, hat den beiden bei der Auswahl geholfen. Uns fiel aber auf, daß das neue Ladenlokal etwas abgelegen lag. Und es war recht leer.
Bei unserem letzten Besuch vor einem Monat, als ich für ein Baby-Projekt Häkelwolle einkaufte (ja, ja, meine liebste Freundin ist schwanger! tfu tfu tfu), war die Atmosphäre im Laden etwas beklemmend. Es war ganz leer. Alles sah etwas vernachlässigt aus. Vieles war runtergesetzt, alle möglichen Rabatte und Aktionen - als legten sie es drauf an, daß der Laden leergekauft wird. Man sah, daß manche Regale halbleer waren. Wir hatten ein ganz mieses Gefühl.

Heute wollte ich dort noch einen Strang Wolle kaufen, denn um die fertige Decke muß noch ein Abschluß von festen Maschen. Keine Überraschung: der Laden war offen, aber komplett leer. Kein einziger Strang Babywolle mehr zu finden. Die Besitzerin mit resigniertem Gesicht, ich wollte keine Fragen stellen. Ja, sie fangen etwas anderes. Ich habe nicht gefragt, ob sie den Laden verlegen - wäre das der Fall, hätte sie mir bestimmt eine Visitenkarte mit der neuen Anschrift gegeben. Vielleicht gibt es weniger Studenten in meinem alten Kunstinstitut? Vielleicht war die Konkurrenz zu stark?
Ich habe hohen Respekt vor Geschäftsleuten, vor dem Risiko, das sie eingehen müssen, vor ihrer Identifikation mit dem Laden. Es tut mir leid, wenn sie zumachen, aus welchem Grund auch immer, es muß sehr schwierig sein. Es tut mir auch leid, daß die Innenstädte sich leeren, die Einkaufszentren sich füllen. Und ich habe keine Ahnung, wo ich jetzt einen Strang weißer Wolle von diesem israelischen Fabrikat auftreiben kann…
Noch ein Döneken Mai 14, 2008, 7:16
Posted by Lila in Uncategorized.1 comment so far
von Quarta, aber nur für Ivrit-Versteher.
Sie hat zu Pessach das schöne alte Lied “echad mit yodea?” mitgesungen. Das Lied beruht auf dem Laurenzia-liebe-Laurenzia-mein-Prinzip, wo man im Refrain immer alles wiederholt, was man vorher gesungen hat. Das Lied geht alle Zahlen durch, von eins bis dreizehn, mit ihren jüdischen Assoziationen. Fünf Bücher Mose, vier Erzmütter, drei Erzväter, zwei Gebotstafeln, ein Gott. Die letzte Zeile ist immer “eins - unser Gott, im Himmel und auf der Erde” - “echad eloheinu, she-ba-shamaiim u-va-aretz”. (Unerschrockene können bei Youtube ganz viele Familien finden, die Echad mi yodea singen).
Quarta aber sang “esh ba-shamaiim u-va-aretz”. “Esh-ba-shamaiim” ist aus einem populären Schlager… und da der Refrain dreizehnmal aus voller Kehle gesungen wird, klang das sehr süß. Niemand hatte das Herz, sie zu verbessern.
Habe ich jetzt jemanden den Tag ruiniert, weil sein Hirn ihm pausenlos Laurenzia dudelt? Tut mir leid……
Später: da fällt mir doch noch eine Pessach-Geschichte ein. Man stellt ja einen Stuhl und ein Glas für den Propheten Elia hin, auf Ivrit heißt der Eliahu-ha-navie. Primus nannte ihn Eliahu-anavim, Elia-Weintrauben. Schien ihm logisch, weil der Wein ja aus Weintrauben gemacht wird.
Und als Tertia gefragt wurde, was sie über den Propheten Elia weiß, antwortete sie: das ist ein durchsichtiger Mann… (ish shakuf).
Ich habe die Aussprüche der Kinder über die Jahre immer auf dem Familienkalender notiert. Da hab ich eine ganze Sammlung von. Ach, die Kinder!
Nachrichtengucken mit Quarta Mai 14, 2008, 6:21
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute, Presseschau.4 comments
Ich stelle die Morgennachrichten nur an, wenn ich unruhig bin, und heute war so ein Tag. Während ich Quarta Zöpfe mache, jeden Tag auf Bestellung, sehen wir die Morgennachrichten um sieben.
Sie eröffnen mit Olmerts neuem Skandal (ha-parasha ha-chadasha shel Olmert), berichten über die neusten Ermittlungen. Dann geht es zu Peres´ großer Party (Vorsicht, der Link tröötet), wo Olmert eine Rede hält und was von den Palästinensern tönt und was er alles erreicht hat und erreichen wird. Quarta schnappt nach Luft. “Mama, der ist aber frech!”, und dann gedankenvoll, “ich glaube, das ist der schlechteste Premierminister, den wir je hatten”.
In den internationalen Items erscheint Hillary Clinton in einem schreienden lachsrosa Jacket und flirtet mit den Wählern West-Virginias, die ihr soeben einen bedeutungslosen Sieg serviert haben. Quartas Kommentar: “die wird nicht Präsidentin, die macht ja viel zu viele Witze”. Sie mag es nicht, wenn Erwachsene Späße machen, außer ihrem Papa.
Es ist wirklich ein Vergnügen, mit ihr Nachrichten zu gucken, sie hat zu allem was zu sagen. Leider kann ich mir nicht alles merken. Dann nimmt sie ihren Ranzen und zischt ab.
Zwei Kommentare aus Ynet Mai 13, 2008, 20:55
Posted by Lila in Uncategorized.10 comments
Der eine stellt die Frage: wie sollen wir mit dem Hamas-Regime umgehen? So eine richtige Antwort gibt er auch nicht, er meint nur, daß wir schwachsinnig sind, die Leute, die uns mit Vernichtung bedrohen und mit Raketen überziehen, auch noch mit Lebensmitteln, Strom und Treibstoff zu versorgen. Das mag stimmen, theoretisch. Es ist auch wahr, daß die Briten im zweiten Weltkrieg keine Lebensmittel an die Deutschen geliefert haben, während Deutsche auf sie schießen. Das Problem ist aber, daß kein offizieller Krieg zwischen uns und dem Gazastreifen herrscht. Wieder mal die ewige alte Falle. Der Gazastreifen ist kein Staat und wir können ihn nicht einfach als kriegsführende Partei behandeln.
Auch wenn vor der Räumung der Siedlungen im Gazastreifen das Argument gebraucht wurde: wir werden nicht mehr für den Gazastreifen zuständig sein und ihn wie einen Feind behandeln. Ich habe Sharons Worte noch im Ohr: wenn die erste Rakete fliegt, wird unsere Reaktion fürchterlich sein! Ein heiseres Kichern begleitet das Echo dieser Worte, wenn man sie heute bedenkt - die erste Qassam flog, und nach ihr Tausende von anderen. Wir haben diese Woche zwei Menschen begraben. Tommy Kdoshim war Familienvater, Shula Katz eine Großmutter, die vor den Augen ihres Sohnes von der Rakete getötet wurde - auf dem Weg von ihrem Auto zum Haus ihrer Verwandten.
Wir lassen uns das absurderweise weiter gefallen, vielleicht aus Angst vor den internationalen Stimmen, denen Jimmy und Shula egal sind, ihre Mörder aber leidtun. Oder die Nachbarn der Mörder, in deren Vorgarten die Raketen abgeschossen werden.
Man sollte meinen, die Wahrheit sollte sich durchsetzen, aber leider können wir uns nicht darauf verlassen. Und wir sind nicht imstande, den Palästinensern NICHT zu helfen. Ich glaube, die israelische Regierung wird immer die Grenzübergängen wieder öffnen und die LKWs schicken. Wir können die Bevölkerung dort nicht verhungern lassen. Selbst wenn wir die Moral mal aus der Gleichung rauslassen - ich glaube nicht, daß die Bewohner des Gazastreifens sich hungernd gegen die Hamas stellen würden. Sie würden uns nur noch heftiger hassen. Die Hamas schiebt eh alles auf uns, und die Gehirnwäsche ist zu weit fortgeschritten.
Der Autor schlägt die folgende Taktik vor:
If it wishes to, this government could mitigate the siege by handing over Qassams in exchange for food. On the other hand, we must not continue the absurd situation of Qassams fired in Sderot in exchange for food to Gaza. In other words: The humanitarian gestures will only be granted in exchange for handing over of enemy weapons to the IDF and an end to arms “smuggling,” which is in fact free supply of weapons from the Egyptian side.
Das Witzige dabei ist, daß dieselben Ägypter, aus deren Gebiet die Waffen geschmuggelt werden, die Tommy und Shula getötet haben, nun an einem Waffenstillstand basteln. Man braucht nicht viel im Nahen Osten, um sich wie auf einer Achterbahn zu fühlen.
Der andere Artikel gibt eine kleine Nachhilfestunde in der Geschichte des Nahen Ostens, um die Fassung “europäische Juden haben sich widerrechtlich Land anggeignet, mit dem sie nichts zu schaffen hatten” zu widerlegen. Es sind natürlich nur wirklich Ahnungslose, die tatsächlich nicht wissen oder nicht zu wissen vorgeben, was die Juden hier zu suchen haben.
Not far from there, in [...] Jerusalem, you can find the Shiloach inscription, made by the slaves of Judean King Hezekiah. Just like any other Israeli, I can read it easily because, wonder of wonders, it’s written in the Hebrew language. There you go, Hezekiah and I are linked through culture, religion, and language, despite the 2,700 years separating us. [...]
And even if you turn the entire Temple Mount into dust, you won’t be able to find even one inscription written in Arabic that dates back to the period before 638 A.D. – the year of the Muslim conquest of the land of Israel. Yes , Muslim conquest, I’m not confused – 1,600 years after David, the King of Israel, was at the throne.
Trotzdem reicht es nicht, nur die Geschichte zu zitieren - man kann ja immer noch weiter zurückgehen, und auch die Juden sind irgendwann mal in Kanaan angekommen. (Nur daß damals hier eben keine Palästinenser lebten, auch wenn manche naiven Israelhasser das bestimmt glauben….). Aber interessant ist es auf jeden Fall, und es erklärt auch, wie es kommt, daß die Juden dieses Land so lieben und es als Heimat empfinden. Und wieso Archäologie hier so faszinierend ist.
(Wann ich mal wieder was Persönlicheres schreibe? Ja ich weiß nicht. Die Muse küßt mich nicht, und es gibt auch nichts Neues…. )
Weit hergeholt? Mai 13, 2008, 17:45
Posted by Lila in Land und Leute.5 comments
Wer eine Vorliebe für skurrile Geschichten hat, kann hier eine nachlesen. Im Mittelpunkt: ein krebskranker Palästinenser aus dem Gazastreifen und seine Entschlossenheit, sich in Israel behandeln zu lassen.



